"Die Wahrheit" von Melanie Raabe

Was ist das Schlimmste, das du jemals getan hast? Diese Frage wird Sarah Peters von einem Fremden gestellt, der seit seiner Ankunft auf dem Hamburger Airport behauptet, ihr Ehemann zu sein. Als vermeintliches Entführungsopfer in Kolumbien befreit, ist er nun in die Rolle des wohlhabenden Geschäftsmannes Philipp Peters geschlüpft, der sieben Jahre zuvor auf einer Geschäftsreise nach Südamerika spurlos verschwand. Mit dem Ziel, dessen Platz einzunehmen, versucht er, Sarah für sich zu gewinnen und das mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen. Doch die Ehefrau von Philipp Peters weigert sich, ihm den Platz an ihrer Seite zuzugestehen und kämpft mit allen Mitteln darum, den Fremden für immer los zu werden.

„Die Wahrheit“ ist nach „Die Falle“ der zweite Psychothriller der deutschen Autorin Melanie Raabe, die es vorzüglich versteht, ihre Leser in die Irre zu führen. Vage Andeutungen, unklare Erinnerungen und verschobene Wahrnehmungen der handelnden Figuren sorgen dafür, dass ein Trugbild entsteht, das nichts mit den wirklichen Ereignissen zu tun hat. Und immer wenn der Leser glaubt, endlich hinter die realen Tatsachen gekommen zu sein, wird er eines Besseren belehrt und muss von vorne beginnen, die kargen Fakten zu sortieren. Ein Kampf um die Wahrheit, bei dem er abwechselnd für die eine oder andere Figur Partei ergreift und versucht, ihre Lügen zu enttarnen. Dabei gerät er unweigerlich in einen emotionalen Sog, der einer besonders perfiden Zwickmühle gleicht und in einem Finale endet, das nicht vorherzusehen ist. Doch trotz seiner manipulierbaren und unterhaltsamen Wirkung weißt der Plot einen gravierenden Mangel au. Er ist voller fragwürdiger Handlungsweisen und wirkt in seiner Gesamtheit konstruiert und abstrus. Doch wer als Leser über diese Makel hinwegsehen kann und absonderliche Psychothriller mag, der hat beim Kauf dieses Buches alles richtig gemacht.

Fazit:
Ein geschickt konstruiertes Katz- und Mausspiel, bei dem alle beteiligten Figuren gleichermaßen überzeugend und unglaubwürdig sind und das trotz seines fragwürdigen Verlaufes spannend unterhält.

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