"Zersetzt" von Michael Tsokos und Andreas Gößling

Im Berliner Regierungsviertel wird in einem Kellerraum die Leiche eines kurdischen Putzmanns gefunden, der mit Hilfe von Wasser zu Tode gefoltert worden ist. Ein politisch hoch brisanter Fall, den die rechtsmedizinische Sonderabteilung des BKA übernimmt, die sich mit besonders extremen Delikten befasst. Doch anstatt wie festgelegt, eine zweite Obduktion an dem Leichnam vorzunehmen, interessiert sich der Rechtsmediziner Dr. Paul Abel eher für einen weiteren Fall, in dem es um den mysteriösen Einstich in der Kniekehle eines dahingeschiedenen Immobilienmaklers geht. Denn dieser ist nicht der erste Tote, bei dem dieses Phänomen entdeckt worden ist und das an einen Serienmörder denken lässt. Bevor sich Dr. Paul Abel aber seinem Verdacht widmen kann, wird er erst einmal in den osteuropäischen Pseudostaat Transnistrien geschickt, wo zwei fast vollständig zersetzte Mordopfer zu identifizieren sind. Eine nicht ungefährliche Reise, die ihn in den Fokus politischer Machtspielchen katapultiert und die genau zu der Zeit erfolgt, in der ein weiteres Opfer des Serienkillers um sein Leben kämpft.

„Zersetzt“ ist der zweite Fall von Dr. Fred Abel, der als Rechtsmediziner der Abteilung "Extremdelikte" beim BKA in Berlin auf die Jagd nach Verbrechern geht. Dass er dabei nicht nur von seinen forensischen Kenntnissen profitiert, wird bald klar und schon bald ist der Leser hautnah dabei, wenn Abel auch außerhalb seines eigentlichen Fachgebietes im Einsatz ist. Ein spannender True-Crime-Thriller, der wie sein Name bereits verrät, auf wahren Fällen basiert. Da aber Michael Tsokos neben seinen Ambitionen als Thriller-Autor als Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Berliner Charité tätig ist, bleibt für die schriftstellerische Kleinarbeit keine Zeit. Deshalb hat er sich als Co-Autor Andreas Gössling mit ins Boot oder noch besser mit in den Sektionssaal geholt und damit einen guten Griff getan. Denn während der eine über fundiertes Wissen auf dem Gebiet der Rechtsmedizin verfügt, versteht es der andere gekonnt, mit Worten umzugehen. Allerdings ist in diesem Thriller für viel Gefühl oder ein ausuferndes Privatleben wenig Platz. Hier geht es eher darum, realistische Fälle nachzustellen und mit detailliertem rechtsmedizinischem Fachwissen zu untermauern.

Fazit:
Ein gelungener Thriller, der nah an der Realität angesiedelt ist und ungemein spannend unterhält. Aber auch ein Thriller, der sehr sachlich verfasst worden ist, und ohne schmückendes Beiwerk auskommen muss.

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